Mifa Modell 9 b

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Das Modell 9 b von Mifa war ein Herren-Sportrad mit 26"-Laufrädern. Erwähnt wird diese Modellnummer in Katalogen aus dem Zeitraum 1956 bis 1958. Die ersten Herren-Sporträder (26") sind für das Baujahr 1953 belegt. Aufgrund fehlender Informationen zur Modellbezeichnung können diese Fahrräder jedoch nicht ohne weiteres als Modell 9 b typisiert werden. Die Produktion endete 1958 oder spätestens 1959 im Zusammenhang mit der Sortimentsbereinigung.

Modellspezifische Merkmale

Das Herren-Sportrad besaß einen 55 cm hohen Stahlrohrrahmen mit Außenmuffen. Die Tretlagerhülse war anfangs noch mit den übrigen Rahmenrohren verschweißt. Die ursprüngliche Ausführung unterschied sich nur geringfügig vom 26"-Tourenradmodell S 9: Modell 9 b hatte wie bei Sporträdern üblich separate Ausfallenden und eine sportlichere Vorderradgabel.

Davon abgesehen handelte es sich eher um ein Tourenrad: Es hatte einen offenen Hinterbau mit gekröpften Sitz- und Kettenstreben, ein Glockentretlager, einen Tourenlenker (NSU-Form), Tourensattel, Gestänge-Stempelbremse vorn und Rücktritt hinten sowie breite Stahlfelgen und breite Stahlschutzbleche und einen Rohrgepäckträger.

Änderungen während der Produktionszeit

Das Herren-Sportrad wurde im Verlauf der Bauzeit häufig überarbeitet und dabei zunehmend mit sportlicheren Attributen versehen.

Besonders umfangreich fielen die Überarbeitungen in den Anfangsjahren 1953/1954 aus: Vermutlich noch 1953 wurde der Rohrgepäckträger durch einen Sportgepäckträger ersetzt, und der NSU-Lenker wich einer stärker geschwungenen Ausführung. Spätestens ab 1954 gab es (anders als bei der Damenausführung 10 b) schmalere Schutzbleche (Stahl, lackiert), schmalere Felgen (vermutlich wahlweise lackierter Stahl oder blankes Leichtmetall), Bereifung der Größe 26" × 1 3/8 × 1 1/2 und vermutlich generell einen Sportsattel. Diese Felgen und Reifen besaßen einen größeren Innendurchmesser als bei der Damenausführung 10 b bzw. späteren 26"-Tourensporträdern von Diamant und Mifa (ETRTO-Reifenmaße 35-584 statt 47-559).

Die geschweißten Verbindungen im Tretlagerbereich wichen Muffen, es erfolgte eine Umstellung von Glockentretlager auf BSA- Keiltretlager, es gab neue, von den Tourenrädern abweichende Steuerkopfmuffen und nunmehr gerade, filigrane Sitzstreben. Außerdem wurde erneut der Lenker verändert, nun gab es einen Flachlenker (zunächst noch ohne Vorbau) sowie eine Stempelbremse mit Bowdenzug statt Gestänge. Mit diesem Änderungsumfang erhielt das Fahrrad tatsächlich Sportrad-Charakter.

1956 wurde der Sportgepäckträger durch einen Gepäckträger in "Schwedenform" ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt besaß das Modell 9 b bereits einen Flachlenker mit separatem Vorbau (Grünert-Leichtmetallvorbau).

1957 wurde der Hinterbau erneut überarbeitet, er war nun geschlossen (starr) ausgeführt und besaß gerade Kettenstreben. In einem Mifa-Katalog von 1958 erscheint der Hinweis, dass das Modell 9 b ab diesem Jahr mit angelöteter Luftpumpenhalterung und Ösen zur Seilzugführung (in Vorbereitung zum nachträglichen Anbau einer Kettenschaltung) ausgerüstet wird. Während die Luftpumpenhalterung bereits an Fahrrädern von 1957 zu finden ist, gibt es für die besagten Ösen bislang noch keine Belege. Hinzu kamem Ösen am Oberrohr zur Seilzugführung einer (nachträglich anzubringenden) hinteren Felgenbremse.

Im Laufe des Jahres 1958 kam es zu einer erneuten Überarbeitung:

  • Analog den Diamant-Sporträdern wurde nun eine Rundscheidengabel verwendet,
  • Dynamohalterung an der Sitzstrebe,
  • Ösen an Unterrohr und Kettenstrebe (Bowdenzugführung Kettenschaltung)
  • Sockel am Unterrohr (für Befestigung eines Schalthebels)
  • Die Steuerkopfmuffen wurden (wie auch bei den übrigen Sporträdern von Mifa) geringfügig überarbeitet,

Mit den zusätzlichen Anlötteilen war es möglich, das Fahrrad nachträglich aufzurüsten (Felgenbremse hinten, Kettenschaltung). Die Fahrräder wurden nun offenbar weitgehend mit Aluminiumfelgen ausgestattet. Zudem besitzt das Modell 9 b gemäß einem Katalog von 1958 vorn bereits eine Felgenbremse.

Galerie

Technische Angaben

Baujahre 1953/54 Baujahre 1954/58
Rahmen: Stahlrohrrahmen, Hinterbau offen
Ketten- und Sitzstreben gekröpft
Stahlrohrrahmen, Hinterbau offen
Kettenstreben gekröpft, Sitzstreben gerade
(ab 1957: Hinterbau starr, Kettenstreben gerade)
Rahmenform: Diamant-Form
Rahmenhöhe: 550 mm
Halterung für Dynamo: - Am Hinterbau (ab 1958)
Haltespitzen für
Luftpumpe:
- Am Sitzrohr (ab 1957)
Führung für Schaltseil,
Sockel für Schalthebel:
- Ab 1958
Führung für hint. Felgenbremse: - Ab 1957
Tretlager: Tretlagerhülse mit Rahmen verschweißt
Glockentretlager
Tretlagerhülse mit Rahmen vermufft
BSA-Keiltretlager Typ 8018
Übersetzungs-
verhältnis:
46:20
Vorderradnabe: Dreiteilige Vorderradnabe (Stahl)
Hinterradnabe: Rücktrittnabe (Stahl)
Bremsen: Vorn Stempelbremse mit Gestänge
Hinten Rücktritt
Vorn Stempelbremse mit Bowdenzug
Hinten Rücktritt
Lenker: Tourenlenker (NSU-Form bzw. ähnl. NSU-Form) ohne Vorbau Flachlenker ohne Vorbau (ab vrmtl. 1956 mit Vorbau)
Sattel: Leder-Sportsattel (Möve Nr. 421 VL)
Felgen: Stahlfelgen Stahlfelgen, optional Aluminiumfelgen
Bereifung: Drahtreifen 26" × 1 3/8" (35-584)
Schutzbleche: Stahlschutzbleche (1958: Aluminiumschutzbleche)
Preis: 261,50 DM (1956)