Mifa

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Die MIFA (Mitteldeutsche Fahrradwerke) ist ein in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) ansässiger Fahrradhersteller und zählt zu den ältesten heute noch aktiven Unternehmen der Branche. War die Marke in den 20er Jahren vor allem für ihren erfolgreichen Rennstall berühmt, so war seit den 70er Jahren vor allem das Klapprad von Mifa Vielen ein Begriff.

Für Informationen zu den einzelnen Modellen Siehe Modelle Mifa.


Firmengründung

Die Gründung der Mifa erfolgte 1907 durch Emil Schütze und Emil Hesse. Der Geschäftsmann Schütze gilt als Initiator der Firmengründung. Er brachte den Großteil des Kapitals ein. Das Angebot seines Sangerhauser Ladens, Kylische Straße 28, umfaßte unter anderem auch Fahrräder der Marken Wanderer, Seidel&Naumann, Opel, Diamant. Der aus Leipzig stammende Hesse, zuvor für Dürkopp und Styria in Graz tätig, brachte die technische Erfahrung ein und war bis zu seinem Tod 1936 Werksleiter des Unternehmens.

Die ersten Fahrräder wurden unter den Markennamen Barbarossa und Million vertrieben. 1912 war das Jahr der Markteinführung der eigentlichen Marke MIFA. 1913 erreichte die Produktion 4000 Räder. Im ersten Weltkrieg produzierte man Granaten.

Aufstieg zum Großbetrieb

Willie Brauer, Gewinner des großen Mifa Straßenpreises 1926

Ab 1920 werden wieder Fahrräder hergestellt. 1925 gelangt Mifa in den Besitz einer Druckerei Huck aus Berlin. Das Werk wird von den neuen Eigentümern umfangreich erweitert und modernisiert. 1925 wird die Fließbandmontage eingeführt und 1927 werden mit fast 700 Arbeitern 79.000 Fahrräder hergestellt. Damit zählte Mifa zu den größten deutschen Herstellern. Das Ratenkaufsystem der Gesellschaft dürfte einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen haben. 1926 unterhielt MIFA 260 Verkaufsstellen, davon wurden diverse von ehemaligen Rennfahrern betrieben.

Die MIFA Werke hatten den hohen Werbewert des Radsports frühzeitig erkannt und unterstützten diesen "trotz großer pekuniärer Opfer". Seit 1924 unterhielt man einen sehr erfolgreichen Rennstall und befand sich besonders mit Diamant und Opel in starker Konkurrenz. Der italienische Weltmeister Alfredo Binda, der Schweizer Heiri Suter sowie die erfolgreichen deutschen Fahrer Bruno und Rudolf Wolke fuhren MIFA. Das typische schwarz /weiss emaillierte Steuerkopfschild findet sich auf vielen Radsportfotos der zwanziger Jahre.

1925 gewann Heiri Suter den Grand Prix Wolber, den Vorläufer der UCI-Straßenweltmeisterschaft, auf einem MIFA-Rad. Seitdem hieß das beste Rennrad von MIFA „Meisterschaftsmodell".

Wirtschaftskrise und NS-Wirtschaft

Mifa Halbrenner, 1928

Ende der 20er Jahre endete der rasche wirtschaftliche Aufstieg der Mifa. In den 30er Jahren werden nur noch ca. 20.000 Räder pro Jahr hergestellt. Eine Ursache wird im Wegfall des bis dahin so erfolgreichen Direktvertriebs gesehen, welcher während der NS-Zeit untersagt war. Die wenigen bekannten Kataloge und Prospekte aus den 30er Jahren sind nüchtern und zurückhaltend.

1936 übernimmt Otto Hesse den Posten seines verstorbenen Vaters als Werksleiter. Schon im Vorfeld des Krieges begann man mit der Herstellung von Munition. Später wurde die Fahrradproduktion ganz eingestellt und nur noch Ausrüstung (Zünder für Granaten und Flugzeugteile) für die Wehrmacht hergestellt. Charakteristischere Produkte waren Kabelverlegewagen für Nachrichtetruppen und Transportkarren, um Verwundete zu befördern. Im Krieg wurden auch sog. Fremdarbeiter aus der Sowjetunion, aus Frankreich und aus Italien beschäftigt.

Sowjetische Aktiengesellschaft Awtowelo

Bereits im Sommer 1945 nahm die Mifa die Produktion wieder auf. Anfangs wurden Feuerzeuge und Lockenwickler aus Aluminium hergestellt, wenig später zweirädrige Transportkarren aller Art. Im Oktober 1945 verkaufte man 743 Stück dieser "Mifa-Karre". Seit dem 1. August 1946 hieß Mifa “Fahrradwerke Mifa der Sowjetischen Aktiengesellschaft “Awtowelo”. Die Besitzer der Vorkriegszeit waren enteignet worden. Otto Hesse blieb zunächst unter sowetischer Kontrolle Werksdirektor. Im November 1947 wurde er entlassen und später für mehrere Jahre ins Zuchthaus für politisch Gefangene in Bautzen gesperrt. Ab 1946 baute Mifa wieder Fahrräder, bis 1949 wurden große Teile der Produktion als Reparation in die UdSSR geliefert. Neben Fahrrädern stellte Mifa in der Sowjetzeit noch stabile Kinderdreiräder und Invalidenwagen für die vielen Versehrten des Krieges her.

1950: VEB Mifa-Werk Sangerhausen

Datei:Mifa Kinderrad 60er.JPG
Foto aus einer Mifa Werbemappe der 60er Jahre

In der neu gegründeten DDR wurden 1950 die Mitteldeutschen Fahrradwerke ein Volkseigener Betrieb. Im ersten Jahr stellten 1.100 Arbeiter 117.000 Fahrräder her. Bald stiegen die Mitarbeiter- und Produktionszahlen stetig. Ende der 1980er Jahre bauten 1.400 Arbeiter 450.000 Fahrräder im Jahr. Das war die Hälfte der gesamten Fahrradproduktion der DDR. Ein Großteil wurde exportiert.

1965: Klappfahrrad

In der westeuropäischen Krise des Fahrradbaues in den 1960er Jahren entstand das Klappfahrrad. Auch Mifa produzierte ab 1965 ein solches Modell. Allein bis 1978 wurden mehr als 1,5 Mio. Klappräder gebaut. Das Rad war relativ billig. Dennoch war es eines der odelle die immer zu kaufen waren, weil das Angebot größer als die Nachfrage war – im Gegensatz zu vielen anderen normalen Fahrradmodellen. Bis nach 1990 werden verschiedene immer wieder verbesserte Modelle angeboten. Das Grundprizip allerdings wurde nicht verändert. Das Mifa Klapprad könnte damit eines der am längsten Klappradmodelle weltweit sein.

1969: IFA Zweiradkombinat Suhl

1969 wird die Mifa dem Industrieverband Fahrzeugbau Zweiradkombinat Suhl (IFA) angegliedert. Es gab den Plan, dass die Mifa Mitte der 70er Jahre der einzige Fahrradhersteller der DDR werden sollte. Der Bedarf an Fahrrädern ging durch die zunehmende Motorisierung zurück. Als das fahrrad für die Freizeit eine Renaissance erlebt und die Verkaufszahlen wieder anstiegen, gab man diesen Plan auf. In den 1970er Jahren wurden verstärkt Sporträder gebaut, was bis dahin eher eine Domaine von Diamant war. Am 23. August 1973 lief das 5Millionste Fahrrad seit 1946 vom Band. Mitte der 1970er Jahre wurden die veralteten Produktionsgebäude der Mifa grundlegend modernisiert. Drei große Hallen entstehen ganz neu. Die Herstellung wird weiter rationalisiert und automatisiert. In den 1980er löst die Nestmontage die Fließbandarbeit ab. Eine kleine Gruppe von Arbeitern baute jetzt ein Fahrrad komplett zusammen. Außerdem wurden moderne Industrieroboter eingesetzt, z.B. zur Rahmenfertigung. Mifa ist auch bekannt für seine Einspeichautomaten, die komplette Laufräder fertigen. 1982 wurde wieder ein Sportrad mit Dreigangkettenschaltung gebaut, 1987 erscheint das Sportrad “Sprint” mit Fünfgangschaltung. 1983 wird das Mifa Universal aufgelegt. Das ist ein “Einkaufsfahrrad” mit Geäckträger, 20-Zoll-Vorderrad und normalem Hinterrad. Das Rad wird auch in Betrieben für den Werksverkehr eingesetzt. Seit Mai 1988 produzierte Mifa ein BMX-Rad, aber es taucht im Handel der DDR kaum auf. Mifa richtete damit auch Wettkämpfe aus. Prototypen für ein 26-zölliges “Montainbike” mit 10-Gang-Schaltung werden hergestellt und im Hochgebirge erprobt. In den 1980er Jahren gerät der Betrieb zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Zulieferbetriebe liefern nicht wie geplant, die Qualität des Materials geht zurück, Fertigungsmaschinen müssen überholt werden. Oft steht der Betrieb in der Woche still. Um den Plan zu erfüllen, werden Überstunden und Wochenendschichten gefahren. Zuletzt gelingt es den Mifa-Arbeitern nicht mehr, den Plan zu erfüllen.

1990: Mifa nach der politischen Wende

Das Werk wird nach der deutschen Wiedervereinigung zur Sanierung und Privatisierung in die Hände der Treuhand übergeben. Die Mitteldeutschen Fahrradwerke kürzen sich nicht mehr Mifa ab, sondern MDF. Der bisherige absatzmarkt war zusammen gebrochen und auf dem westlichen Markt waren die Räder technisch, qualitativ und optisch nicht konkurrenzfähig. In kürzester Zeit wurden neue Fahrradmodelle auf den Markt gebracht, deren Entwicklung teilweise schon zu DDR-Zeiten begonnen hatte. Die Belegschaft wurde von 1.500 auf ca. 100 Arbeiter reduziert. Alle Abteilungen, die nicht der Produktion dienten, wurden aufgelöst. Wurden bislang fast alle Teile im Werk selbst hergestellt, ändert sich dies jetzt drastisch. Im August 1993 werden Maschinen und Lagerbestände der Mifa von den schweizer Geschäftsleuten Urs Haymot und Franco Knill gekauft. Sie produzierten in den drei Hallen aus den 70er Jahren. Das Grundstück und die Gebäude blieben in den Händen der Treuhand. Die restlichen Gebäude der Vorkriegszeit wurden abgerissen. der Betrieb heiß nun Fahrradtechnik Sangerhausen GmbH (FaSa). 1995 wurde Konkurs angemeldet. 1996: Neustart durch Peter Wicht

Peter Wicht und Michael Lehmann übernahmen 1996 die Mifa, die seitdem auch wieder Mitteldeutsche Fahrradwerke GmbH heißt. Auf dem alten Fabrikgrundstück sind weithin sichtbar neue Werksgebäude entstanden. Heute werden von 400 Arbeitern im Jahr ca. 700.000 Fahrräder aus Teilen zusammen gesetzt, die in der ganzen Welt zusammengekauft werden. 2004: Mitteldeutsche Fahrradwerke AG

Mifa ist seit Mai 2004 an der Frankfurter Börse notiert. Hergestellt werden die eigenen Marken Mifa und Germatec neben anderen Marken für große Handelsketten, z.B. für Metro. 2006 stieg der amerikanische Investmentfond Lone Star durch eine Kapitalerhöhung von 2 Mio. Euro (25%) bei Mifa ein. Gleichzeitig wurden die sächsischen Biria-Werke, die Lone Star ein Jahr zuvor üernommen hatten, geschlossen (zuletzt ca. 630.000 Fahrräder pro Jahr). 2007 wurde die Bike Systems Nordhausen ebenfalls durch Lone Star zu Mifa eingegliedert und in Folge geschlossen. In ersten Quartal 2008 meldet Mifa einen Umsatzrückgang von ca. 10 % zum Vorjahresquartal, aber eine Gewinnsteigerung von 20%.

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