Mifa Modell 258
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Als letzte noch in der DDR umgesetzte Erweiterung des Segments der sportlichen Fahrradtypen wurden 1989 ein 28"-Damensportrad Modell 258 und ein entsprechendes 28"-Herrensportrad, die beide die Zusatzbezeichnung "Exkurs" trugen, entwickelt. Diese Fahrräder besaßen eine überarbeitete Rahmengeometrie, eine Zehngang-Kettenschaltung und eine insgesamt verbesserte Ausstattung. Die hier beschriebene Damen-Variante mit Mixte-Rahmen kam jedoch vermutlich nicht mehr auf den Markt.
Modellspezifische Merkmale
Der Rahmen des Mifa Modell 258 war eine gänzliche Neuentwicklung. Sein wesentliches Merkmal waren zwei Streben, die, das klassische Oberrohre ersetzend, vom Steuerkopfrohr beidseitig am Sitzrohr vorbei zu den hinteren Ausfallenden geführt wurden. Diese Rahmenform wird als Mixte bezeichnet. Sie war in der DDR bis dahin nur vereinzelt bei Kinderfahrrädern, etwa vom Metallwaren "Blitz", zur Anwendung gekommen.
Darüber hinaus wurde der Nachlauf der Vorderradgabel erheblich verringert, Rahmendreieck und Hinterbau leicht gestrafft und die Sitzrohrneigung auf 18 Grad reduziert. Insgesamt verringerte sich dadurch der Radstand um ca. 2 cm im Vergleich zu den bisherigen Sporträdern. Äußerlich erkennbar war die Überarbeitung vor allem an den neu geformten Steuerkopfmuffen und der Sitzmuffe. Bei den Anlötteilen kam eine Zugführungsöse für den Bowdenzug des Umwerfers hinzu. Eine weitere Neuerung stellte die Pletscherplatte am Hinterbau dar. Damit orientierte man sich an einem vor allem bei westdeutschen Fahrrädern der unteren und mittleren Preiskategorie typischen Konstruktionsmerkmal. Im Verlauf des Jahres 1990 ersetzte die Pletscherplatte bei vielen Fahrrädern von Diamant und Mifa den bisherigen Quersteg zwischen den Sitzstreben.
Auch bei der Ausstattung gab es gegenüber den bisherigen Sporträdern von Mifa zahlreiche Veränderungen:
- Zehngang-Kettenschaltung mit vergrößertem Übersetzungsbereich (Ritzel mit 14 bis 26 Zähnen)
- Schaltwerk "Tectoron" (konstruktiv jedoch nicht mehr dem damaligen internationalen Entwicklungsstand entsprechend), Umwerfer "Rasant"
- Glockengetriebe in Kombination mit einem Doppelkettenblatt
- verbesserte Felgenbremsen (geschlossene Bremsschuhe, profilierte Bremsgummis, Seilzugentlaster)
- neue Sportpedale, die im Unterschied zu den zuvorigen Modellen einen soliden Metallrahmen besaßen
- neuer Gepäckträger
- neue Aluminium-Schutzbleche mit mittiger Sicke
Optisch gewöhnungsbedüftig erscheint das Glockengetriebe mit Doppelkettenblatt. Offenbar sollte damit auf die Keilbefestigung der Tretkurbel auf möglichst einfache Weise verzichtet werden, denn Keilgetriebe galten schon damals als nicht mehr zeitgemäß und waren aufgrund nachlassender Materialqualität zunehmend störanfällig geworden. Bei dem Gepäckträger handelte es sich um eine Neuentwicklung von Mifa, für die 1990 auch ein Patent erteilt wurde. Dieser Gepäckträger findet sich auch bei vielen Fahrrädern von Diamant und Mifa aus dem Zeitraum 1990/91.
Dem Typenprospekt zufolge war das Fahrrad mit einem neuen Lenkerbügel ausgestattet ("ergonomisch für Langstreckenfahrten angepaßt"), der bisher nur für die Modelle 258 und 208 belegt ist. Ferner waren ein Sattel aus Kunststoff mit Lederüberzug sowie vrmtl. neuartige Lenkergriffe Bestandteil der Ausstattung. Da vom Modell 258 bislang keine Exemplare bekannt sind, bleibt offen, ob diese Neuerungen auch sämtlich in Serie verbaut wurden. Zumindest bei der Herren-Ausführung Typ 208 fehlen sie an den dort bisher bekannten Belegexemplaren; ein wahrscheinlich originaler Sportsattel mit schwarzer Kunstlederdecke ist allerdings an einem Modell 208 von 1990 belegt. Auffällig ist das überarbeitete Rahmendekor, das 1990 (noch vor der Auflösung des VEB Mifa-Werk Sangerhausen) auch für alle übrigen Fahrradtypen übernommen wurde. Nur das hier beschriebene Modell besaß den Schriftzug "Exkurs" am Unterrohr.
Bedeutung innerhalb der Modellpalette
Neben dem offiziellen Typenprospekt für beide Ausführungen aus dem Jahr 1989 sind nur wenige weitere Hinweise zu dieser Neuentwicklung bekannt: Die Berliner Zeitung vom 8. September 1989 berichtete über das neue Sportrad von Mifa: "Das erstmals vorgestellte Sportrad "Exkurs" besitzt eine 10-Gang-Kettenschaltung. Gegenüber früheren Erzeugnissen weist es in nahezu allen Details verbesserte Merkmale auf." Eine Notiz in "Der deutsche Straßenverkehr" beschreibt das neue Modell mit "[g]eänderte[r] Rahmengeometrie, ein[em] unkonventionelle[n] Lenker mit ergonomischen Griffen und [einem] Rennsattel [...]. Geschlossener Bremsschuh und profilierter Bremsgummi fallen bei den Felgenbremsen auf, Seitenständer, Stahlstab-Gepäckträger mit erhöhter Tragfähigkeit, Sicherheitsrahmenpedale und Speichenrückstrahler sind Serienaussatttung. Übersetzungsbereich: 1,80 bis 3,57." Einen weiteren Anhaltspunkt liefert der Genex-Katalog für das Jahr 1990, darin wurde das Modell 208 angeboten.
Aufgrund der sich schnell ändernden Marktbedingungen ab 1990 entstanden nur vergleichsweise wenig "Exkurs"-Sporträder; von der Damen-Ausführung ist, wie bereits beschrieben, noch kein Exemplar bekannt. Die bei diesem Fahrradtyp realisierten Überarbeitungen wurden Anfang 1990 auch auf die übrigen Sportrad-Modelle von Mifa übertragen. Insofern brachte das neue Sportrad "Exkurs" durchaus einige relevante Weiterentwicklungen für die Sporträder von Mifa. Es ist aber auch erkennbar, dass die Zubehörteile aus DDR- bzw. RGW-Fertigung den Anschluss an den internationalen Stand verloren hatten: Anstelle der Rahmenschalthebel wären Schalthebel am Lenker zeigemäß gewesen, auch die gesamte Einheit Tretkurbel - Tretlager wirkte anachronistisch. Tretkurbeln aus Aluminium, BSA-Tretlager mit Vierkant-Befestigung der Tretkurbeln und ein deutlich größerer Übersetzungsbereich des Doppelkettenblatts hätten aus dem Mifa "Exkurs" durchaus ein zeitgemäßes Fahrrad machen können. Im Sommer 1990 verwirklichte man beim Mifa Leichtlauffahrrad unter Rückgriff auf einen Mixte-Rahmen (jedoch vrmtl. nicht identisch mit dem Rahmen des Modells 258) eine gänzlich neue Ausstattungslinie.
Galerie
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Prospekt zu den neuen "Exkurs"-Modellen, Rückseite mit dem Modell 258, 1989.
Technische Merkmale
| Modell 208 | ||
|---|---|---|
| Rahmen: | Stahlrohrrahmen mit Außenmuffen, Hinterbau starr, Ketten- und Sitzstreben gerade | |
| Rahmenform: | Mixte | |
| Rahmenhöhe: | 560 mm | |
| Steuerrohrlänge: | 130 mm | |
| Anlötteil für Dynamo: | An Vorderradgabel | |
| Haltespitzen für Luftpumpe: |
Am Unterrohr | |
| Führung für Schaltseil: | An Unterrohr und Kettenstrebe | |
| Getriebe: | Glockengetriebe | |
| Übersetzungs- verhältnis: |
50/47 : 14/16/18/22/26 | |
| Vorderradnabe: | Einteilige Vorderradnabe (Aluminium) | |
| Hinterradnabe: | Starre Hinterradnabe (Aluminium) | |
| Bremsen: | Vorn und hinten Felgenbremse | |
| Lenker: | Flachlenker mit Vorbau | |
| Sattel: | Kunststoffsattel | |
| Felgen: | Aluminiumfelgen (ausgehärtet) | |
| Bereifung: | Drahtreifen 28" × 1 3/8” (37-622) | |
| Schutzbleche: | Aluminiumschutzbleche | |
| Preis: | ||
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