Tretlager: Unterschied zwischen den Versionen
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Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Welle mit angedrehten Konen sowie Lagerschalen, die ins Tretlagergehäuse eingeschraubt werden. Das Gehäuse besitzt daher innen ein nach der Lackierung des Rahmens eingeschnittenes Gewinde. Charakteristisch ist zudem der Konterring, der auf die linke Lagerschale geschraubt wird. Mit der linken Lagerschale und dem Konterring kann dieses Tretlager leicht eingestellt werden. Die rechte Lagerschale hingegen wird bis zum Anschlag in das Tretlagergehäuse eingeschraubt. Deshalb ist die Achswelle asymmetrisch, die linke Seite ist etwas länger. | Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Welle mit angedrehten Konen sowie Lagerschalen, die ins Tretlagergehäuse eingeschraubt werden. Das Gehäuse besitzt daher innen ein nach der Lackierung des Rahmens eingeschnittenes Gewinde. Charakteristisch ist zudem der Konterring, der auf die linke Lagerschale geschraubt wird. Mit der linken Lagerschale und dem Konterring kann dieses Tretlager leicht eingestellt werden. Die rechte Lagerschale hingegen wird bis zum Anschlag in das Tretlagergehäuse eingeschraubt. Deshalb ist die Achswelle asymmetrisch, die linke Seite ist etwas länger. | ||
Keiltretlager in BSA-Ausführung sind eine relativ aufwändige, hochwertige Konstruktion. Sie ermöglichen neben ästhetischen Gesichtspunkten eine längere Haltbarkeit, weil die Lager relativ gut vor Nässe und Schmutz geschützt sind. Sie wurden lange Zeit hauptsächlich bei Rennrädern, Sporträdern, Tourensporträdern sowie Tourenrädern in "englischer Ausführung" verwendet. In den 1970er Jahren wurden sie schrittweise durch die einfacheren Thompson-Tretlager ersetzt. Dies geschah zunächst ab etwa 1972/73 bei den Tourensporträdern von [[Mifa]], ab 1976 dann auch bei den Mifa-Sporträdern und den Tourensporträdern von [[Diamant]]. Seitdem wurden nur noch Rennräder | Keiltretlager in BSA-Ausführung sind eine relativ aufwändige, hochwertige Konstruktion. Sie ermöglichen neben ästhetischen Gesichtspunkten eine längere Haltbarkeit, weil die Lager relativ gut vor Nässe und Schmutz geschützt sind. Sie wurden lange Zeit hauptsächlich bei Rennrädern, Sporträdern, Tourensporträdern sowie Tourenrädern in "englischer Ausführung" verwendet. In den 1970er Jahren wurden sie schrittweise durch die einfacheren Thompson-Tretlager ersetzt. Dies geschah zunächst ab etwa 1972/73 bei den Tourensporträdern von [[Mifa]], ab 1976 dann auch bei den Mifa-Sporträdern und den Tourensporträdern von [[Diamant]]. Seitdem wurden nur noch [[Modelle_Diamant#Diamant_Rennräder|Rennräder]] und [[Modelle_Diamant#Diamant_Rennsporträder|Rennsporträder]] von [[Diamant]] mit Tretlagern in BSA-Ausführung ausgestattet. Zu dieser Zeit wurden auch Keiltretlager vom westdeutschen Hersteller Thun importiert. | ||
Hersteller der Keiltretlager war in der DDR zunächst [[FZTW]], ab 1958 der [[Simson|VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl]]. | Hersteller der Keiltretlager war in der DDR zunächst [[FZTW]], ab 1958 der [[Simson|VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl]]. | ||
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Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Tretlagerwelle mit aufschraubbaren Konen sowie einen Staubdeckel aus Metall oder Kunststoff, der die linke Lagerschale vor Staub und Nässe | Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Tretlagerwelle mit aufschraubbaren Konen sowie einen Staubdeckel aus Metall oder Kunststoff, der die linke Lagerschale vor Staub und Nässe schützen soll. Bei einigen Fahrradmodellen wie dem [[Mifa Modell S 5]] hat der Staubdeckel, wie beim Glockentretlager, die Form einer Glocke und ist fest mit der Tretkurbel verbunden. | ||
Die Lagerschalen sind gesteckt, d.h. sie müssen in das Tretlagergehäuse eingeschlagen werden. Die Einstellung des Tretlagers erfolgt über den linken Konus sowie den Konterring. Ein Vorteil der Thompson-Ausführung ist, dass die Achse bereits nach Lösen eines Pedalarms entnommen werden kann. Ein erheblicher Nachteil ist hingegen, dass die Lager schlecht vor Feuchtigkeit und Staub geschützt sind. | Die Lagerschalen sind gesteckt, d.h. sie müssen in das Tretlagergehäuse eingeschlagen werden. Die Einstellung des Tretlagers erfolgt über den linken Konus sowie den Konterring. Ein Vorteil der Thompson-Ausführung ist, dass die Achse bereits nach Lösen eines Pedalarms entnommen werden kann. | ||
Ein erheblicher Nachteil ist hingegen, dass die Lager schlecht vor Feuchtigkeit und Staub geschützt sind. Um vorzeitigen Verschleiß zu vermeiden, müssen sie daher sehr regelmäßig abgeschmiert werden, siehe [[Tipps_zu_Tretlagern_/_Getrieben#Anlass_für_die_Demontage|Hier]]. Zu allem Übel erhielten diese Lager ab den 1980er Jahren insbesondere bei Mifa eine werksseitig ungenügende Fettung, was die Haltbarkeit nochmals verringerte. Obendrein kam eine nachlassende Materialqualität der Achsen und Keile hinzu. Aus den 1980er Jahren kann man noch heute augenscheinlich wenig genutzte Fahrräder finden, die bereits erheblich verschlissene Tretlager aufweisen. | |||
Keiltretlager in Thompson-Ausführung wurden lange Zeit hauptsächlich für Jugendfahrräder von Mifa und [[Möve]] verwendet. Die Klappräder von Mifa besaßen ebenfalls ein solches Tretlager. In den 1970er und 1980er Jahren wurden auch Tourensport- und Sporträder damit ausgestattet. | Keiltretlager in Thompson-Ausführung wurden lange Zeit hauptsächlich für Jugendfahrräder von Mifa und [[Möve]] verwendet. Die Klappräder von Mifa besaßen ebenfalls ein solches Tretlager. In den 1970er und 1980er Jahren wurden auch Tourensport- und Sporträder damit ausgestattet. | ||
Aktuelle Version vom 4. April 2026, 15:36 Uhr
| Die Bezeichnung Tretlager wird teilweise auch als Synonym für das Getriebe, also die Einheit aus Kettenblatt, Kurbeln und dem eigentlichen Tretlager (Innenlager) verwendet. Dieser Artikel beschäftigt sich jedoch mit dem Tretlager bzw. Innenlager als Einzelteil. |
In der DDR wurden Fahrräder mit Glockentretlagern oder Keiltretlagern ausgestattet. Handelte es sich bei den Keiltretlagern in den 1950er und 1960er Jahren fast ausschließlich um solche in BSA-Ausführung, so wurden in den 1970 und 1980er Jahren zunehmend Keiltretlager in Thompson-Ausführung verwendet. Diese Konstruktionen behielt man bei den handelsüblichen Fahrrädern bis 1990 bei, während die Hersteller anderer Länder längst moderne Vierkant-Tretlager nach ISO- oder JIS-Norm bevorzugten, die leichter zu montieren und haltbarer waren. Keil- und Glockentretlager wurden in der DDR im Laufe der Jahre mit verschiedenen Formen von Kettenblättern ausgestattet.
Keiltretlager
Keiltretlager haben ihre Bezeichnung durch die Kurbelkeile erhalten, mit denen die Tretkurbeln auf der Tretlagerwelle befestigt werden. Es gibt Keiltretlager mit geschraubten (BSA-Ausführung) oder gesteckten Lagerschalen (Thompson-Ausführung).
Keiltretlager in BSA-Ausführung

Von oben nach unten: Welle, linke Lagerschale, rechte Lagerschale, Kugelring, Konterring, Kurbelkeil
Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Welle mit angedrehten Konen sowie Lagerschalen, die ins Tretlagergehäuse eingeschraubt werden. Das Gehäuse besitzt daher innen ein nach der Lackierung des Rahmens eingeschnittenes Gewinde. Charakteristisch ist zudem der Konterring, der auf die linke Lagerschale geschraubt wird. Mit der linken Lagerschale und dem Konterring kann dieses Tretlager leicht eingestellt werden. Die rechte Lagerschale hingegen wird bis zum Anschlag in das Tretlagergehäuse eingeschraubt. Deshalb ist die Achswelle asymmetrisch, die linke Seite ist etwas länger.
Keiltretlager in BSA-Ausführung sind eine relativ aufwändige, hochwertige Konstruktion. Sie ermöglichen neben ästhetischen Gesichtspunkten eine längere Haltbarkeit, weil die Lager relativ gut vor Nässe und Schmutz geschützt sind. Sie wurden lange Zeit hauptsächlich bei Rennrädern, Sporträdern, Tourensporträdern sowie Tourenrädern in "englischer Ausführung" verwendet. In den 1970er Jahren wurden sie schrittweise durch die einfacheren Thompson-Tretlager ersetzt. Dies geschah zunächst ab etwa 1972/73 bei den Tourensporträdern von Mifa, ab 1976 dann auch bei den Mifa-Sporträdern und den Tourensporträdern von Diamant. Seitdem wurden nur noch Rennräder und Rennsporträder von Diamant mit Tretlagern in BSA-Ausführung ausgestattet. Zu dieser Zeit wurden auch Keiltretlager vom westdeutschen Hersteller Thun importiert. Hersteller der Keiltretlager war in der DDR zunächst FZTW, ab 1958 der VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl.
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Rechte Lagerschale mit planer Oberfläche, verbaut bis etwa Ende der 1960er Jahre.
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Rechte Lagerschale mit vertiefter Oberfläche, verbaut ab etwa Ende der 1960er Jahre bis 1990.
Keiltretlager in Thompson-Ausführung

Von links nach rechts auf der Welle: Kontermutter, Sicherungsscheibe, Staubdeckel, Einstellkonus, Kugelring, linke Einschlagschale, rechte Einschlagschale, Kugelring, feststehender Konus (aber ebenfalls geschraubt)
Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Tretlagerwelle mit aufschraubbaren Konen sowie einen Staubdeckel aus Metall oder Kunststoff, der die linke Lagerschale vor Staub und Nässe schützen soll. Bei einigen Fahrradmodellen wie dem Mifa Modell S 5 hat der Staubdeckel, wie beim Glockentretlager, die Form einer Glocke und ist fest mit der Tretkurbel verbunden.
Die Lagerschalen sind gesteckt, d.h. sie müssen in das Tretlagergehäuse eingeschlagen werden. Die Einstellung des Tretlagers erfolgt über den linken Konus sowie den Konterring. Ein Vorteil der Thompson-Ausführung ist, dass die Achse bereits nach Lösen eines Pedalarms entnommen werden kann.
Ein erheblicher Nachteil ist hingegen, dass die Lager schlecht vor Feuchtigkeit und Staub geschützt sind. Um vorzeitigen Verschleiß zu vermeiden, müssen sie daher sehr regelmäßig abgeschmiert werden, siehe Hier. Zu allem Übel erhielten diese Lager ab den 1980er Jahren insbesondere bei Mifa eine werksseitig ungenügende Fettung, was die Haltbarkeit nochmals verringerte. Obendrein kam eine nachlassende Materialqualität der Achsen und Keile hinzu. Aus den 1980er Jahren kann man noch heute augenscheinlich wenig genutzte Fahrräder finden, die bereits erheblich verschlissene Tretlager aufweisen.
Keiltretlager in Thompson-Ausführung wurden lange Zeit hauptsächlich für Jugendfahrräder von Mifa und Möve verwendet. Die Klappräder von Mifa besaßen ebenfalls ein solches Tretlager. In den 1970er und 1980er Jahren wurden auch Tourensport- und Sporträder damit ausgestattet.
Zur Qualität der Tretlager-Keile
Die Qualität der stets verchromten Tretlager-Keile verringerte sich im Laufe der Jahre stetig. Hochwertige Keile der 1950er Jahre besitzen Muttern der SW 12, in den 1960er Jahren SW 11 (bis mindestens 1971), später nur noch SW 10. Während Keilgetriebe von Fahrrädern der 1950er Jahre bis heute kaum verformte Keile und nur selten deformierte Achsnuten haben, weisen Getriebe der 1980er Jahre selbst bei wenig genutzten Fahrrädern oftmals erhebliche Verschleißerscheinungen auf. Wackelige Pedalarme, die sich nicht mehr fixieren lassen oder unsymmetrisch zueinander stehen, sind bei Fahrrädern der 1970er/80er Jahre keine Seltenheit. Es ist als Kuriosum anzusehen, dass ausgerechnet an diesem neuralgischen Punkt übertriebene Vereinfachungen vorgenommen wurden, was zu erhöhter Störanfälligkeit und vorzeitigem Verschleiß der Fahrräder führte. Die verzinkten Keile aus westlicher bzw. Nachwende-Produktion weisen allerdings eine sogar noch schlechtere Qualität auf. Alte Keile der hohen Qualität sollten daher auf keinen Fall entsorgt und auch bei Instandsetzung von Fahrrädern jüngeren Datums möglichst verwendet werden, siehe Tipps zu Tretlagern / Getrieben.
Glockentretlager

Von links nach rechts: Kurbelmutter, Kugelring, rechte Einschlagschale, Ölerhülse, linke Einschlagschale, Kugelring, Einstellkonus, Sicherungsscheibe, Sicherungsmutter, Kurbelmutter.Darunter ist die Tretlagerwelle mit dem feststehenden Konus abgebildet.
Glockentretlager sind äußerlich an den Metallhalbschalen der Tretkurbeln zu erkennen, die das Tretlagergehäuse abdecken. Die Tretkurbeln werden auf den Vierkant gepresst und mit Hilfe von speziellen Muttern gesichert. Auch hier sind die Lagerschalen ins Tretlagergehäuse eingeschlagen. Charakteristisch sind ferner der feststehende rechte Konus, die um die Welle liegende Ölerhülse und ein Öl- bzw Abschmiernippel. Glockentretlager wurden bis 1955 von Fichtel & Sachs und bis 1958 von FZTW, ab 1955 ausschließlich von RENAK produziert. Glockentretlager lassen sich für Reparatur und Wartung nur mit hohem Aufwand demontieren. Eine nachträgliche Schmierung erfolgte in der Regel über einen Öler im Tretlagergehäuse.
Die Tourenräder von Diamant, Mifa, Möve und Simson wurden beinahe ausschließlich mit Glockentretlagern ausgestattet. Daneben wurden auch Kinderräder sowie einige Klappräder und Tourensporträder von Mifa mit diesem Tretlager ausgerüstet. Zudem wurden in den 1970er und 1980er Jahren auch einige Räder, die regulär ein Thompson-Tretlager besaßen, mit Glockentretlagern versehen. Dies war möglich, da für beide Systeme die gleichen Einschlag-Lagerschalen genutzt wurden.
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Zeitraum: vrmtl. Mitte 1950er JahreTretlager von Fawelo in einfacher Ausführung
Verwendung: Zubehör-/Ersatzteil
Material: Stahl (brüniert)
Bemerkungen: ohne Kugelringe, ohne Ölerhülse -
Fawelo Logo, Gütezeichen "2" und Betriebsnummer als kleine Prägung in der Mitte der TretlagerwellePrägung auf der Tretlagerwelle